Kim Ann Woodley

Kim

Ich heiße Kim, bin 27 Jahre alt, studiere Philosophie im Master und arbeite als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni Bielefeld.

Kontakt: kimann.woodley@gmail.com

Wo und wann bist du ungleichgültig? Und warum?

Ich bin immer dann ungleichgültig, wenn ich den Eindruck habe, dass Menschen nicht mitdenken, sondern hinnehmen (das heißt, es über sich ergehen lassen) und sogar annehmen (das heißt, ihr Einverständnis darüber abgeben), was ihnen vorgesetzt wird — wenn sie nicht reflektieren, hinterfragen, weiterdenken, neu-denken. Dieser Umstand hat viele Erklärungen. Häufig beruht die Ursache auf Ungleichheiten: Manche Menschen wurden nie zum Mitdenken ermutigt und haben als Konsequenz nicht die nötigen Kompetenzen erlernt. Manche Menschen fühlen sich aufgrund der eigenen Diskriminierungserfahrungen sämtlicher Einflussmacht beraubt — sie wurden sozusagen des Mitdenkens entmutigt. Leider sehe ich den Grund viel zu oft auch darin, dass viele Menschen Gleichgültigkeit zeigen, weil sie selbst — häufig aufgrund ihrer Privilegien — von negativen Auswirkungen verschont bleiben. Ungleichheiten führen zu Benachteiligung und weiterer Diskriminierung. Deswegen bin ich ungleichgültig, wenn es um Mitdenken geht.

Wo und wann bist du gleichgültig? Und warum?

Mir ist egal, ob der FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund gewonnen oder verloren hat und mir ist egal, ob Angelina Jolie ihren Bodyguard datet. Es ist mir egal, weil es die Welt für mich nicht zu einem besseren oder schlechteren Ort macht.

Wie könnte eine ungleichgültige Stadt aussehen?

Ein ungleichgültiges Bielefeld (bzw. eine ungleichgültige Stadt im Allgemeinen) ist für mich eine Stadt, deren Bewohner:innen sich gegenseitig auch als gleichwertige Menschen wahrnehmen und respektieren, die gemeinsam gegen Diskriminierung jeglicher Art vorgehen.

Was bedeutet Ungleichgültig-Sein für mich? Und wie lässt sich Ungleichgültig-Sein fördern?

Ungleichgültig-Sein bedeutet für mich, mitzudenken. Mitdenken können wir aber nur bei dem, wofür wir ein Bewusstsein haben. Das heißt, wir müssen zuerst aufmerksam werden — aufmerksam für unsere Umgebung und uns selbst als Teil dieser Umgebung. Das Projekt #ungleichgültig fördert dieses Bewusstsein und damit das Mitdenken, das Darüber-Nachdenken, vielleicht sogar ein Weiterdenken. Grund dafür ist das Mitwirken von so vielen ungleichgültigen Menschen. In dem Austausch mit Teilnehmenden, Teammitglieder:innen und Unterstützenden finde ich meine Motivation und Begeisterung für das Projekt. Innerhalb dieses Prozesses wurde auch ich aufmerksamer für das gesellschaftliche Leben in Bielefeld und habe eine Vielzahl an neuen Denkanstößen erhalten. Ich freue mich auf die weitere Projektlaufzeit und weitere Einblicke in Bielefelds Ungleichgültigkeit.

Foto: ©️ 2020 Lara Müller