Ulrich

Ulrich

Ich nenne mich für dieses Projekt Ulrich, mit meinem Zweitnamen. Ich bin Sozialpädagoge, bald Rentner, manchmal mutig, manchmal feige, manchmal chaotisch, manchmal eindeutig.

In welchen Momenten zeigen Sie sich in Ihrem Alltag ungleichgültig?

Wenn Schnelligkeit und Effizienz zum Maß aller Dinge werden. Wenn Autorennen in der Stadt gefahren werden. Wenn ich lese, wie ungleich der monetäre Reichtum in dieser Welt verteilt ist. Wenn ich erfahre, wie Menschen in vielen Arbeitsbereichen ausgebeutet werden, um einige wenige noch reicher zu machen. Wenn ich mitbekomme, wie sich der Rechtsextremismus ausbreitet.

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Weil zu oft übersehen wird, welche Folgen mit unüberlegtem, schnellem Handeln verbunden sind. Weil andere Menschenleben dabei billigend in Kauf genommen werden. Weil daraus Macht entsteht, die zu Hunger, Kriegen und Ungleichheit führt, was wiederum Unmenschlichkeit fördert.

Ulrich

„Weil zu oft übersehen wird, welche Folgen mit unüberlegtem, schnellem Handeln verbunden sind.“

Wo sind Sie gleichgültig?

Bei monetärem Reichtum und persönlichem Besitz. Bei „Bla, Bla, Bla“ Gesprächen, bei denen ich dann „linkes Ohr rein, rechtes raus“ einschalte. Bei modischem Schnick-Schnack und Trends.

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Alles verschnellert sich zu schnell für mich. Es wird zu laut und zu unübersichtlich. Aber es gibt auch diese neuen Bewegungen wie Fridays for Future — das macht mir Hoffnung.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Mit vermehrtem Stress, psychisch wie physisch, sowohl bei der Arbeit als auch Privat.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

Meinen Beitrag zu einem ungleichgültigeren Bielefeld sehe ich darin, das Interesse an Veränderungen, die ich bisher nicht kannte, im letzten Viertel meines Lebens noch zu verwirklichen.

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller