Stephan

Stephan

Ich bin 35 Jahre alt und hauptberuflich Kulturreferent im Welthaus Bielefeld e.V. Seit 2011 engagiere ich mich ehrenamtlich zu Themen der sozialen & ökologischen Nachhaltigkeit und im Bereich der Kulturförderung. Seit 2015 organisiere ich zusammen mit FreundInnen das Fairstival – das faire Festival in Bielefeld und betätige mich im hierfür gegründeten Verein Fairstival e.V.

In welchen Momenten zeigen Sie sich in Ihrem Alltag ungleichgültig?

Ungleichgültig zeige ich mich beim Einkaufen, in Gesprächen mit verschiedenen Menschen, bei der Urlaubsplanung — eigentlich bei fast allen Momenten und Entscheidungen im Alltag, die mittelbar, oder unmittelbar mit potentiellen Ungerechtigkeiten zusammenhängen. Und das sind, ist man sich erst einmal ansatzweise über die komplexen Zusammenhänge in unserer globalisierten Welt bewusst, sehr viele Momente.

Stephan

„Wundervoll stelle ich mir solch ein Bielefeld vor.“

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Weil ich der festen Überzeugung bin, dass Menschen, vor allem hier im „globalen Norden“, ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Welt entwickeln oder besitzen sollten. Ich könnte mit dem Wissen der Effekte unseres Handelns auf die Welt gar nicht anders als ungleichgültig sein. Das würde sich falsch anfühlen.

Wo sind Sie gleichgültig?

Bei Fußballergebnissen.

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Es gibt eine gefühlt steigende Sensibilisierung für politisch wichtige Themen, wie zum Beispiel die Ausbeutung von ArbeiterInnen und ProduzentInnen, die Zerstörung der Natur und die Klimakrise, (Alltags-)Rassismus, Sexismus und Tierleid in der Massentierhaltung. Allerdings lässt sich gerade in den letzten Jahren eine Spaltung innerhalb der Gesellschaft beobachten — in eine Gruppe von Menschen, die etwas ändern wollen und in eine Gruppe von Menschen, die sich dagegenstellen, oder den Themen gegenüber gleichgültig sind. Oft haben die Menschen der zweiten Gruppe sicherlich schlicht Angst, oder ein schlechtes Gewissen. Es sind zum Beispiel weiße Männer, die Angst haben etwas von ihrer gewohnten Macht abzugeben und ihr Wertesystem neu zu sortieren. Oder FleischliebhaberInnen, die sich allein durch die Anwesenheit von vegan lebenden Menschen attackiert sehen und bewaffnet mit vorbereiteten Facebook-Kommentaren in „Kampfeshaltung“ gehen, sobald das Thema Fleischkonsum aufschlägt.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Es gibt zivilgesellschaftliche Bündnisse und stärkere lokale Netzwerke von Engagierten, was Aktivitäten in Bielefeld begünstigt. Es ist aber auch mehr Kraft notwendig, für Diskussionen mit Menschen, die nicht vom Status Quo abrücken möchten und sich gegen Punkte angesprochener gesellschaftlicher und nachhaltiger Entwicklung sperren.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

Wundervoll stelle ich mir solch ein Bielefeld vor. Eine Stadt in der ein positives Miteinander, Offenheit und Solidarität, auch mit dem Rest der Welt, gelebt wird.

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller

Kontakt

Stephan Noltze
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