Rita

Rita

Mein Name ist Rita, ich bin 70 Jahre alt, pensionierte Lehrerin und wohnhaft in Bielefeld.

In welchen Momenten zeigen Sie sich in Ihrem Alltag ungleichgültig?

In sehr vielen Momenten, gerade in der jetzigen „Corona-Zeit“ sehe ich überall Defizite, die ausgeglichen werden müssen. Die Situation in den Schulen macht dies — nicht nur jetzt — deutlich, zum Beispiel am Gefälle zu den „bildungsfernen“ Familien. Außerdem sehe ich eine Kluft zwischen Arm und Reich. Auch sehe ich Gleichgültigkeit von PolitikerInnen, zum Beispiel im Fall „Tönnies“.

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Weil ich damit schon Erfahrungen gemacht habe. Weil ich gerade unter den Geflüchteten, mit denen ich arbeite, genau diese Defizite gespiegelt sehe.

Rita

„Gegenüber Luxusproblemen. Wo mache ich meinen nächsten Urlaub, welches Auto entspricht meinem Standard, bei Imageproblemen…“

Wo sind Sie gleichgültig?

Gegenüber Luxusproblemen. Wo mache ich meinen nächsten Urlaub, welches Auto entspricht meinem Standard, bei Imageproblemen…

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Ich lebe erst seit drei Jahren hier, denke aber, dass in Bezug auf Mobilität und Beachtung von alten Menschen und von Geflüchteten viel, zum Teil privates, Engagement vorhanden ist.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Ich finde, es gibt viel Toleranz und großes Bemühen um Gemeinschaftliches. Das haben zum Beispiel die Demos gegen Rechts gezeigt.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

In einem ungleichgültigen Bielefeld gäbe es noch mehr von den genannten Aspekten, noch mehr Bemühen, Geflüchtete zu integrieren und noch mehr ehrenamtliches Engagement.

Wo sind Sie in Bielefeld ungleichgültig?

Ungleichgültig bin ich gegenüber Rassismus, gegenüber Hilfsbedürftigen, gegenüber politischen Schreibtischentscheidungen mit geringem Bezug zur Realität.

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller