Nina

Nina

Mein Name ist Nina und ich bin 20 Jahre alt. Seit ich denken kann, lebe ich schon in Bielefeld. Ich studiere Grundschullehramt mit integrierter Sonderpädagogik an der Uni und nebenbei arbeite ich an einer Grundschule. Nach meinem damaligen Betheljahr im Kinder- und Jugendhospiz habe ich begonnen, dort als pädagogische Honorarkraft tätig zu sein und unternehme mit erkrankten Kindern und ihren Geschwistern Ausflüge und Aktionen.

In welchen Momenten zeigen Sie sich in Ihrem Alltag ungleichgültig?

Ich versuche, mich generell eher ungleichgültig gegenüber vielen Sachen zu verhalten. Es gibt so viel, das mir nicht egal sein kann. Im Alltag verzichte ich auf Fleisch und versuche, mehr pflanzliche Lebensmittel zu konsumieren, anstelle von tierischen. Ich versuche, mich mehr über die Plastikverminderung zu informieren und achte vor allem bei der Kosmetik darauf, auf mineralölhaltige und an Tieren getestete Produkte zu verzichten. Ich versuche, jedem Menschen offen und nett gegenüberzutreten und mir ist es wichtig, dass sie sich in meiner Gegenwart wohlfühlen.

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Ich glaube, dass ich all die Dinge tue, weil ich es nicht anders mit meinem Gewissen vereinbaren kann und nicht darüber hinwegschauen möchte. Mir ist es ein Anliegen, die Umwelt, Menschen und Tiere so zu behandeln, wie ich es mir selbst auch wünschen würde und behandelt werden möchte. Besonders in umwelttechnischen Angelegenheiten weiß ich um meine Verantwortung in der Welt und, dass ich als einzelne Person sogar etwas bewirken kann.

Wo sind Sie gleichgültig?

Ich glaube, mir ist relativ wenig wirklich gleichgültig oder egal. Man kann sich immer mehr Gedanken machen und immer mehr machen, als man eh schon tut. Es kommt immer auf die Prioritäten an und die Zeit, die man investiert. Vielleicht ist mir die Herren-Fußball-Liga gleichgültig.

Nina

„Ich denke, dass es mir auch wichtig ist, dass das Thema Tod nicht mehr so stark tabuisiert wird.“

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Ich kann nicht genau sagen, ob sich wirklich etwas verändert hat. Weil ich schon immer in Bielefeld gelebt habe, ist es schwer, eine Veränderung wahrzunehmen. Ich empfinde Bielefeld aber oftmals solidarischer und toleranter, zumindest in meiner näheren Umgebung. Menschen rücken stärker zusammen. Sie sind durch soziale Medien vernetzter und besser, umfassender über Geschehnisse aufgeklärt. Aber das kann in anderen Kreisen auch sehr anders aussehen.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Dadurch, dass die Toleranz gestiegen ist, können Menschen freier sie selbst sein und können sich in ihrer Persönlichkeit ausleben. Das macht die Atmosphäre untereinander entspannter.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

Jede/r ist für alle Lebewesen da und verhält sich gegenüber seiner/ihrer Mitwelt solidarisch und empathisch. Alle denken mehr über ihre Handlungen nach und wollen das Beste für ihre Mitmenschen und die Umwelt. Es werden alle angenommen, wie sie sein wollen und respektvoll behandelt. Ich glaube, dass dafür mehr Bewusstsein für Dinge, die sich nicht unbedingt in der unmittelbaren Umgebung befinden, geschaffen werden muss oder sich entwickeln muss.

Wo sind Sie in Bielefeld ungleichgültig?

Ich arbeite seit zwei Jahren im Kinder- und Jugendhospiz in Bethel. Dort kümmere ich mich um die Freizeit von Geschwisterkindern, deren Brüder oder Schwestern Behinderungen oder Krankheiten haben. Ein Kinderhospiz unterscheidet sich von einem Hospiz für Erwachsene. Die erkrankten Kinder kommen auch schon vor ihrem Lebensende zu uns und verbringen mit ihren Eltern, Großeltern und, oder Geschwistern eine gewisse Zeit. Die Angehörigen können sich so von dem sonst sehr stressigen Alltag erholen und Geschwister- und erkrankte Kinder bekommen viel Aufmerksamkeit und Geborgenheit. Mir ist es ein Anliegen, viel Aufklärungsarbeit zu leisten und anderen Menschen diese Art von Einrichtung näher zu bringen. Darüber hinaus möchte ich für diese Menschen da sein und besonders den Kindern mit oder ohne Erkrankung Spaß bereiten. So, dass sie aus dem Aufenthalt Kraft und Energie schöpfen können. Ich denke, dass es mir auch wichtig ist, dass das Thema Tod nicht mehr so stark tabuisiert wird und dieses Haus als ein schöner Ort wahrgenommen wird. Dort sind sich der Tod und das Leben so nah, wie es auch im alltäglichen Leben der Fall ist oder sein kann.

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller

Kontakt

Nina
E-Mail: nina.schmitz@outlook.com
Instagram: @Nina.sc_21