Merlin Maria

Merlin

Mein Name ist Merlin Maria, ich bin studierte Kulturpädagogin und arbeite seit April 2015 in der Programmabteilung im Kulturamt Bielefeld. Hier habe ich die Möglichkeit, unterschiedlichste Kulturveranstaltungen zu organisieren und Projekte zu realisieren. Meine persönlichen Interessen liegen ebenfalls im Bereich Kunst und Kultur. Zudem liebe ich es zu Reisen und dabei neue Länder und ihre BewohnerInnen kennenzulernen.

In welchen Momenten zeigen Sie sich im Alltag ungleichgültig?

Ungleichgültigkeit im Alltag erstreckt sich für mich über viele Bereiche und bezieht unterschiedliche Facetten mit ein. Es beginnt für mich damit, dass ich es als selbstverständlich ansehe, wählen zu gehen und so das politische Leben in Bielefeld und Deutschland mit zu gestalten. Auch das Thema Umwelt- und Naturschutz liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche lokal/regional einzukaufen und fahre viel Fahrrad oder Bus und Bahn. Zudem bin ich seit meinem zehnten Lebensjahr überzeugte Vegetarierin und verzichte komplett auf den Verzehr von Fleisch und Fisch. Seit einigen Jahren bin ich Fördermitglied bei Greenpeace und bei der Hilfsorganisation Cap Anamur, beide Organisationen leisten Erstaunliches und können jede Unterstützung gebrauchen.

Durch meine Arbeit im Kulturamt habe ich die Möglichkeit, mit Kunst und Kultur auf gesellschaftliche und/oder politische Missstände aufmerksam zu machen. Besonders wichtig ist mir der selbstverständliche Umgang mit dem Thema Vielfalt in unserer multikulturellen Gesellschaft. Zudem finde ich es wichtig, Kultur aus sogenannten Krisengebieten zu zeigen, um der negativen Berichterstattung in der Presse etwas entgegenzusetzen und das Positive der jeweiligen Länder in den Fokus zu rücken. Ein Beispiel dafür sind die Veranstaltungen mit dem Schwerpunktthema Naher und Mittlerer Osten, die mit Konzerten und Lesungen die unglaublich reiche Kultur zum Beispiel aus Syrien, Afghanistan, dem Libanon und Israel abbilden. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es mir, möglichst allen Menschen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Dies versuche ich über Barrierefreiheit, möglichst günstige oder kostenfreie Veranstaltungen und unterschiedlichste Richtungen in der Programmgestaltung zu realisieren.

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Ich bin auf dem Land groß geworden und habe seit meiner Kindheit viel Berührung mit Natur und Tieren. Ich bin sehr weltoffen erzogen worden, es war und ist für mich selbstverständlich, dass alle Menschen an einem Ort friedlich zusammenleben können, umso mehr schockiert es mich immer wieder, dass dies eben oft nicht selbstverständlich ist.

Merlin

„Ich nehme Bielefeld als eine Stadt wahr, in der ein großes Maß an Solidarität und Zusammenhalt besteht.“

Wo sind Sie gleichgültig?

Hier kommt mir als allererstes die unbewusste Gleichgültigkeit in den Sinn, die ich bei mir zum Beispiel feststelle, wenn ich von vornherein eine gewisse Antisympathie einem Thema oder einem Menschen gegenüber habe. Hier bin ich voreingenommen und mir fehlt die Offenheit, mich neutral darauf einzulassen. Dazu zähle ich auch festgefahrene Strukturen im Privaten oder bei der Arbeit, die manchmal dazu führen, dass ich mich unbewusst gleichgültig verhalte.

Beim Thema Umweltschutz muss ich leider sagen, dass ich gleichgültig bin bei Flugreisen. Ich liebe es zu reisen, liebe die Sonne und das Meer und kann mir nicht vorstellen, darauf zu verzichten, obwohl ich weiß, dass es sehr schädlich ist für unseren Planeten. Dies wird dadurch bestärkt, dass sich bei mir mittlerweile eine gewisse Gleichgültigkeit eingestellt hat, was den Internationalen Umweltschutz betrifft. In erster Linie darauf bezogen, dass ich die Hoffnung aufgegeben habe, dass große Weltmächte wie China oder die USA ihren CO² Ausstoß ernsthaft verringern und so zur relevanten Verbesserung des Klimas auf der Erde beitragen. Dies ist in meinen Augen genauso essenziell, wie der bewusste Umgang jedes Einzelnen mit dem Thema und wichtig, um wirklich etwas zu verbessern.

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Ich sehe viel Bewegung beim Thema Rassismus, gerade in den letzten Jahren und vor allem bezogen auf die vielen Geflüchteten, die seit 2016 ein neues zu Hause in Bielefeld gesucht und zum großen Teil gefunden haben. Hier habe ich eine wahnsinnige Hilfsbereitschaft und Offenheit wahrgenommen. Auch die vielen Gegendemonstranten, die sich den Nazis bei den letzten Demos in Bielefeld entgegengestellt haben, unterstützen diesen Eindruck und ich bin glücklich, in dieser weltoffenen Stadt zu leben.

Beim Thema Fahrradfahren gibt es ebenfalls viel Bewegung: das Projekt Radentscheid Bielefeld kämpft für bessere Verhältnisse und mehr Rechte für Radfahrer, was ich als sehr positiv wahrnehme.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Ich nehme Bielefeld als eine Stadt wahr, in der ein großes Maß an Solidarität und Zusammenhalt besteht. Dies zeigt sich auch in der aktuell andauernden Corona-Krise und ist für mich, neben der Tragik und der Schwere dieser Zeit, etwas sehr Positives.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

Bielefeld ist bunt und weltoffen! Ein Statement, dass mittlerweile etwas abgedroschen klingt und dennoch, nicht oft genug wiederholt werden kann. In einem ungleichgültigen Bielefeld wäre diese Aussage jedoch nicht mehr notwendig, weil es selbstverständlich wäre, dass Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern in Bielefeld ein neues Zuhause gefunden haben und hier gemeinsam leben. In einem ungleichgültigen Bielefeld gäbe es mehr Subvention für ökologische und regionale Landwirtschaft, um die Produkte preisgünstiger anbieten zu können. Im besten Fall sogar so günstig, dass sie günstiger sind, als die aus dem Ausland importierten Produkte, damit auch Menschen mit weniger Geld wie selbstverständlich die regionalen Produkte kaufen.

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller