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Mein Leben teilt sich in die Bereiche Politik/Aktivismus, Beziehungen (freundschaftliche, familiäre, romantische…), Uni und Lohnarbeit auf. Die Kapazitäten verteilen sich dabei in der genannten Reihenfolge von viel nach wenig auf. In einem „normalen“ Fragebogen hätte ich also Studentin im Feld ‚Tätigkeit‘ angegeben, obwohl das so nicht ganz stimmt beziehungsweise zu kurz gegriffen ist. Ich bin eine weiße Frau, 27 Jahre alt und komme aus einem unpolitischen, aber liberalen, gut bürgerlichen Haushalt und lebe zur Zeit in Bielefeld.

In welchen Momenten zeigen Sie sich in Ihrem Alltag ungleichgültig?

Zerstörung und finde mich gegebenenfalls auch selbst eingehakt zwischen GenossInnen wieder, um den Bagger zu stoppen, oder den Naziaufmarsch.

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Kräfte, der schlechte Aussichten hat. Gleichzeitig fühlt es sich auch immer wieder sehr richtig an, Widerstand zu leisten und aus der Passivität heraus zu kommen. Dabei sehe ich einen Angriffspunkt beim Klimathema, aber spreche bewusst von KlimaGERECHTIGKEIT. Das heißt, dass antifaschistische, feministische und antirassistische Kämpfe eng mit Klimaschutz verbunden sind und nur zusammen-gedacht werden können.

Wo sind Sie gleichgültig?

Bei meiner Kernfamilie. Vor ein paar Jahren habe ich mir gesagt, dass es nicht mein Job ist, meine Familie zu politisieren. Gleichzeitig geht das aber auch nicht ganz auf. Auch, wenn ich den sogenannten Familienfrieden dann kurzfristig über meine politischen Einstellungen setze, kommt es doch auch dort immer mal wieder zu Diskussionen.

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„Gleichzeitig fühlt es sich auch immer wieder sehr richtig an, Widerstand zu leisten und aus der Passivität heraus zu kommen.“

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Da ich mich eher weniger mit lokalpolitischen Themen auseinandersetze, kann ich dazu nicht viel sagen. Allerdings lässt sich auch in Bielefeld beobachten, dass genauso, wie in den meisten anderen Teilen Deutschlands (und weltweit) das Thema Klima weit mehr präsent ist, als noch vor einigen Jahren. Es gibt eine FFF-Gruppe, eine XR-Gruppe und weitere Gruppen, wie BUND und Ende Gelände bestehen weiter. Deutlich wird der Einfluss an vielen Stellen, wie auch an den Treppen zum Rathaus oder an Bäumen, dort wurden Botschaften hinterlassen, die die Unzufriedenheit der BürgerInnen ausdrücken. Aber auch Gruppen wie Seebrücke oder der Uni-Gruppe CafeExil reagieren auf die sich verändernden Diskurse bezüglich einer Flüchtlingspolitik oder wie in jüngster Zeit auf rassistische Polizeigewalt.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Ich kann schwer einschätzen, inwieweit diese Veränderungen einen langfristigen Einfluss haben. Kurzfristig gesehen lässt sich beobachten, dass Klima zumindest auch im Alltag viel mitgedacht wird, das jedoch zum Großteil auf individueller Konsumebene.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

Auf lokaler Ebene finde ich es wichtig, für ein Recht auf gutes Wohnen zu kämpfen. Das heißt Immobiliengesellschaften müssen enteignet werden und in öffentliche Hand gegeben werden. Das kann auch auf lokaler Ebene passieren. Es müssen mehr Orte des Miteinander geschaffen werden und in die Stadtplanung mit eingebaut werden (zum Beispiel die Gestaltung des Würfels auf dem Kessel und der Kessel überhaupt). Öffentliche Mobilität darf nichts kosten und muss von der Allgemeinheit getragen werden. Das betrifft den ÖPNV und auch Fahrräder. Bielefeld-spezifisch wünsche ich mir eine Entschlossene Haltung der Bevölkerung gegenüber den Naziaufmärschen für die Haverbeck. Das heißt, es braucht Legitimation, sich den Nazis in den Weg zu stellen und sie an ihrem Aufmarsch zu hindern. Auf das sie nicht wiederkommen und verstummen!

Wo sind Sie in Bielefeld ungleichgültig?

Ungleichgültigkeit heißt, sich Nazis entschlossen in den Weg zu stellen! Ungleichgültigkeit heißt, sich zu organisieren und die kapitalistischen Verhältnisse zu stürzen! Ungleichgültigkeit heißt, sich den öffentlichen Raum zu nehmen und eine zunehmende Privatisierung zu verhindern! Ungleichgültigkeit heißt, seine politischen Botschaften von den Hochhäusern in Bielefeld zu hängen!

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller