Leah

Leah

Hallo ihr Lieben, ich bin Leah, 29 Jahre und studiere an der FH Bielefeld. Außerdem bin ich dort auch Referentin für Lesben, Bisexuelle, Trans* und Inter* Personen (LesBiT*I*) und bin ehrenamtlich in der queeren Jugendarbeit aktiv. Zu meinen Interessen gehören Yoga, Bücher, Laufsport, Meditation, Tiere und seit neusten auch das Longboard-fahren.

In welchen Momenten zeigen Sie sich in Ihrem Alltag ungleichgültig?

Im Alltag versuche ich in möglichst vielen Situationen ungleichgültig zu sein. Sei es auf dem Heimweg in der Bahn, im Supermarkt oder bei Behördengängen. Wenn ich in diesen Situationen menschen- oder tierfeindliches Verhalten wahrnehme, dann spreche ich dieses an. Grundlegend dafür ist, dass ich versuche, mich möglichst für solches Verhalten zu sensibilisieren und mir über meine eigenen Privilegien klar zu werden. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf Rassismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, sowie Speziesismus.

Meinen Aktivismus zu diesen Themen trage ich auch möglichst oft auf die Straße und demonstriere für eine Verbesserung der aktuellen gesellschaftlichen Situation. Sei es durch meine einfache Teilnahme an solchen Veranstaltungen oder selbst als Rednerin. An diesen Situationen und im Rahmen von Veranstaltungen versuche ich vor allem über diese Missstände aufzuklären und andere Menschen auf diese zu sensibilisieren. Mein Ziel dabei ist es, wenigstens ein paar Menschen auf vorherrschende Missstände aufmerksam zu machen und sie dazu zu bringen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren.

Warum zeigen Sie sich in diesen Momenten ungleichgültig?

Ich bin bereits persönlich Diskriminierung in diesen Situationen ausgesetzt gewesen. Niemand sollte diese Erfahrungen machen müssen. Es ist mir unbegreiflich, warum manche Menschen aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, Sexualität oder Reichtum schlechter behandelt werden als andere.

Ich möchte und kann nicht weiter zusehen, wie Menschen, Tiere und Umwelt unter einen System leiden, dass das Reichtum einiger weniger über das Wohl der Allgemeinheit stellt.

Leah

„Vor allem junge Menschen sind politisch aktiver geworden.“

Wo sind Sie gleichgültig?

Sich für diese Themen zu engagieren, kostet mich leider sehr viel Energie. Manchmal fehlt mir die Energie völlig, oder ich habe mit Ängsten oder Depressionen zu kämpfen. Dann ist es mir leider nicht möglich, mich für andere einzusetzen. Oftmals nehme ich auch Formen von Alltagsdiskriminierung wahr, die für viele Menschen unsichtbar sind. Wenn solche Formen von Diskriminierung von der breiten Gesellschaft akzeptiert oder ignoriert werden, trifft Mensch nur selten auf Verständnis, wenn auf die Missstände aufmerksam gemacht wird. In diesen Situationen zeige ich mich leider auch zu oft gleichgültig.

Leider ist es mir auch nicht möglich, mich über alle Probleme in der Welt ausführlich zu informieren und mich für diese einzusetzen. Was nicht heißen soll, dass ich diese für weniger schwerwiegend halte. Ich konzentriere mich auf Probleme, die mir persönlich besonders nahe liegen. Zum Glück engagieren sich auch andere Menschen zu diesen Themen, wie zum Beispiel Religionsfreiheit, Flüchtlinge, Armut, Obdachlosigkeit, Waffenexporte, Ableismus und viele weitere.

Wenn Sie das gesellschaftliche Klima in Bielefeld der letzten Jahre Revue passieren lassen, wo sehen Sie Veränderungen?

Vor allem junge Menschen sind politisch aktiver geworden. Sie lassen sich immer weniger Sachen gefallen und hinterfragen das herrschende System. Vor allem in den Bereichen Klimaschutz, Tierschutz, Feminismus und zuletzt auch Antirassismus (Black Lives Matter) ist mir aufgefallen, dass junge Leute vermehrt aktiv geworden sind.

Wie haben diese Veränderungen das gemeinschaftliche Zusammenleben in Bielefeld beeinflusst?

Meinem Gefühl nach wurden viele Menschen in der Bielefelder Gesellschaft auf diese Problematiken aufmerksam gemacht und auch teilweise sensibilisiert. Insgesamt hinterfragen mehr Menschen ihr Verhalten und achten vermehrt darauf, diesen Missständen entgegen zu wirken.

Wie stellen Sie sich ein ungleichgültiges Bielefeld vor? Wie könnte ein ungleichgültiges Bielefeld aussehen?

In einen ungleichgültigen Bielefeld können alle Menschen leben und lieben wie sie wollen. Niemand soll Angst haben müssen, im Dunkeln durch die Stadt zu gehen, egal, welche Hautfarbe, Geschlechter oder Sexualität sie haben.

In einen ungleichgültigen Bielefeld muss niemand hungern, sich um seine/ihre Existenz sorgen und alle haben freien Zugang zu Bildung. Die Stadt ist barrierearm gestaltet und niemand wird davon ausgeschlossen, am gesellschaftlichen Zusammenleben teilhaben zu können. In einem ungleichgültigen Bielefeld wird Rücksicht auf Tier, Natur und Mensch genommen. Der Verkehr ist klimaneutral und allen Menschen zugänglich. Kein Tier sollte sterben oder leiden müssen.

Ein ungleichgültiges Bielefeld ist bunt und vielfältig.

Wo sind Sie in Bielefeld ungleichgültig?

Meine Ungleichgültigkeit beginnt bei kleinen Alltagssituationen, aber ich trage diese auch auf die Straße, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Fotos: ©️ 2020 Lara Müller